Interview mit Ib Fredslund Madsen

The Chief Strategist: PMIs for november and brexit creates nervousness

Ib, im Oktober hat sich der Aktienmarkt sehr uneinheitlich gezeigt. Was waren die Gründe?

Ende September hat die US-Notenbank erneut den Zinssatz angehoben. Zudem sind die längerfristigen Zinsen gestiegen. Dadurch sind die Aktienkurse zu Oktoberbeginn recht stark gefallen. Obwohl sich die Marktzinsen wieder beruhigt hatten, wirkte sich die Sorge über die Ertragsgewinne der Unternehmen negativ auf die Aktienkurse im gesamten Oktober aus.

Sind die negativen Auswirkungen stärker befürchtet worden?

Man kann das nicht so pauschal sagen. Steigende Zinsen der Zentralbanken zeugen ja in erster Linie davon, dass es der Wirtschaft gut geht und nicht zusätzlich durch „billiges“ Geld angekurbelt werden muss. Dennoch bedeuten steigende Zinsen, dass Kredite teurer werden. Insofern sind die tatsächlichen Auswirkungen immer ungewiss. In den USA gab es auch eigentlich keine Gründe für Nervosität. Das Wachstum der Ertragsgewinne in den USA liegt weiterhin bei knapp 20% und die Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit 1969.

Dieser Wirtschaftsboom wird aber sicherlich nicht ewig so bleiben...

Das stimmt natürlich. Ein derartig großes Wachstum wird sich auf Dauer nicht halten lassen, sodass man etwas pessimistischer in die Zukunft blicken wird. Unter anderem hat sich die US-Wirtschaft durch die gesenkten Steuern hervorragend entwickelt. Das hat bei den Unternehmen zu stärkeren Investitionen geführt und bei den Privathaushalten zu mehr Konsum. Dadurch steht die US-Wirtschaft aktuell exzellent da.

Doch schon jetzt fragen sich viele Analysten, inwieweit die Spitze bereits erreicht ist und ob der Aktienmarkt überbewertet ist. Aktuell sind die Unternehmenszahlen auch für Pessimisten einfach zu gut, was sich auch in den Jahres- und Quartalszahlen widerspiegelt. Der Markt wird eher neutral gesehen. Mit einem tatsächlichen Rückgang wird erst ab 2020 gerechnet.

Welche Risiken siehst Du aktuell?

Grundsätzlich muss man natürlich festhalten, dass Aktienmärkte nie frei von Risiken sind. Dem muss man sich immer bewusst sein. Momentan muss man vor allem den Handelskrieg zwischen den USA und China beobachten. Bislang hat sich dieser Konflikt noch nicht auf die Kurse des US-Aktienmarktes ausgewirkt. Das ist eigentlich verwunderlich, jedoch liegt das vor allem daran, dass die Hoffnung auf eine Lösung im Handelskonflikt noch immer gegeben ist. Ende des Monats werden in Buenos Aires beim nächsten G20-Gipfel die USA und China wieder an einem Tisch sitzen. Dieses Aufeinandertreffen wird von den Aktienmärkten sehr genau beobachtet. Sollte es keine Annäherungen geben, ist ein negativer Effekt für die Märkte nicht auszuschließen. Wobei man natürlich auch schon jetzt feststellen muss, dass der chinesische Aktienmarkt aktuell schon sehr stark unter dem Handelskrieg leidet. Das liegt vor allem daran, dass die chinesische Wirtschaft sehr exportorientiert ist.

Schauen wir auf Europa. Wie sieht es hier aus?

Europa verzeichnet ebenfalls ein stabiles Wachstum der Unternehmensgewinne. Das liegt bei rund 10% und fällt damit schwächer als in den USA aus. Das ist aber auch nicht anders erwartet worden, weil es hier keine derartigen Steuersenkungen für Unternehmen und Privathaushalte gab. Eigentlich müssten die europäischen Aktienkurse höher bewertet sein, doch die Unsicherheit durch den Brexit und das hohe Wirtschaftsdefizit in Italien lassen Vorsicht walten. Insbesondere die Lage in Italien trägt eine gewisse Unruhe in die europäischen Aktienmärkte.

Der Brexit nicht?

Für die europäischen Aktienmärkte spielt der Brexit eine nicht so große Rolle. Sicherlich werden ungeordnete Verhältnisse nicht zu einer Euphorie an den Märkten beitragen. Die Diskussionen zu dem vermeintlichen Brexit-Kompromiss laufen in Großbritannien ja momentan auf Hochtouren. Wie das alles ausgeht, kann aktuell wohl auch niemand voraussagen. Negative Auswirkungen durch den Brexit erwarten wir wenn nur lokal in Großbritannien.

Wie sieht es in Deutschland aus? Insbesondere auch nach dem angekündigten Rückzug von Angela Merkel.

Es herrscht in Deutschland ein tiefes Vertrauen in die eigene Wirtschaftsstärke, auch wenn die Prognosen zuletzt ein wenig gesenkt wurden. In Deutschland fokussiert man sich auch nicht auf einzelne Personen, insofern hat der angekündigte Rückzug eines Spitzenpolitikers für die Wirtschaft eigentlich auch keine Auswirkung. Das würde sich lediglich ändern, wenn sich die gesamte politische Ausrichtung verändern würde. Dafür gibt es aber, zumindest in der grundlegenden Ausrichtung, keinerlei Anzeichen.

Wie siehst Du denn die aktuelle Anlagestrategie bei der Jyske Bank?

Im September haben wir unser Risiko im Portfolio auf Neutral gesenkt. Wir setzen weiterhin verstärkt auf die defensiven Sektoren. Dazu gehören die stabilen Gebrauchsgüter und die Gesundheitsbranche. Damit fahren wir auch in vermeintlich unruhigen Zeiten ganz gut. Mit den Industriegütern haben wir zudem auch ein zyklisches Element im Portfolio. Die Märkte werden sich insgesamt auch wieder beruhigen, wenn alle Quartalszahlen und die Jahresprognosen veröffentlicht sind. Diese sind durchaus respektabel, sodass die Überreaktionen zu stark ausgefallen sind. Die Kurse werden sich somit wieder auf einem Normalmaß einpendeln. Eventuell ein bisschen schwächer als zuvor, jedoch mit keiner allzu großen Abweichung.